Evangelische Gemeinde A.u.H.B. Klosterneuburg
Gemeindeblatt 2003-2
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Die Gründonnerstags-Enzyklica
- und vom ökumenischen Umgang mit ihr
Der Versuch zu erfassen, zu ordnen und eine klare, von Geschwisterlichkeit getragene Stellung zu beziehen
"Es gibt nichts Neues unter der Sonne"
(Rabbi Akiba, 55-135 n.Chr., Jüd. Gelehrter)

Seit Gründonnerstag hat eine päpstliche Enzyklika über das Abendmahl / Herrenmahl / die Eucharistie (diese Begriffe bezeichnen synonym das, was an jenem ersten Gründonnerstag Abend Jesus eingesetzt und seinen Jüngern / seiner Kirche aufgetragen hat zu seinem Gedächtnis zu feiern) für erhebliche Unruhe in weiten Kreisen der ökumenisch engagierten Welt gesorgt.
Die Sprachlichkeit der Enzyklika "Dominus Jesus", die schon im August 2000 für Empörung gesorgt hatte, wurde aufgegriffen und durch ihre Wiederholung verstärkt. Auffällig ist, dass - da wie dort - den reformatorischen Kirchen das Kirche-Sein, ihren Geistlichen Amtsträgern das Pfarrer-Sein und ihren Hl. Mahlfeiern das Vollwertig-Sein abgesprochen wird. 40 Jahre theologische Diskussion in den ökumenischen Gremien und 400 Jahre theologie- und dogmengeschichtliche Entwicklung wurden dadurch negiert. Die Evangelischen Kirchen werden auf "kirchliche Gemeinschaften des 16. Jahrhunderts" beschränkt; nur - wir haben uns seit dem 16. Jh. weiter entwickelt - ebenso ist auch die katholische Kirche nicht mehr die des Tridentinums (= das Konzil der Gegenreformation). Alt-Hergebrachtes Gedankengut wird neu formuliert und festgeschrieben. "Es gibt nichts Neues unter der Sonne" hat schon Rabbi Akiba gemeint, also.... finden wir uns jetzt plötzlich geistig-geistlich ins 16. Jh. zurückversetzt! - Kein Problem?

Doch! - Denn: warum gerade jetzt?
Hatten wir nicht am 31. Oktober 1999 in Augsburg feierlich durch die gegenseitige Anerkennung der Rechtfertigungslehre die Beilegung eines wichtigen Streitpunktes aus der Reformationszeit begangen? Was hat sich in den Jahren danach im Miteinander der röm.-kath. und der reformatorischen Kirchen geändert, dass solche Maßnahmen als gerechtfertigt erscheinen?
Was also steht hinter diesen provozierenden Formulierungen?
In Deutschland wurde vom 28.05. bis 01.06. der erste ökumenische Kirchentag in Berlin abgehalten; Interkommunion oder gar Conzelebration zwischen den getrennten "Geschwistern" stand zu befürchten. Das Sinken der Loyalität und des Gehorsams gegenüber nicht mehr zeitgemäßen Satzungen wurde so offenkundig, dass man sich zu diesem Schritt genötigt sah. Papst Schenuda III., Oberhaupt der koptischen Kirche, hat anlässlich seines Wienbesuches (staatl. Anerkennung der koptischen Kirche) vor wenigen Wochen in einem ORF-Interview gemeint:
"Man hat uns nicht anerkannt (beim Konzil von Chalzedon) - da haben wir uns ganz einfach zurückgezogen."
Hofft man nun, dass die Vertreter der reformatorischen Kirchen ebenso reagieren wie die Kopten im 6. Jh.? Soll ihr Verhalten nicht nur kühl kalkuliert, sondern auch instrumentalisiert worden sein? Will man erreichen, dass sie sich zurück ziehen und sich somit als die nicht wirklich gesprächsbereiten erweisen, die ihr ökumenisches Anliegen nicht wirklich ernst gemeint hatten...?
Was also tun?
Die Ökumene auf der Ebene der Leitungsetage ist nach 40-jährigem Bemühen derzeit in der akuten Gefahr des Scheiterns! Die Ökumene an der Basis hat nur eine Chance, wenn sie vom geschwisterlichen Miteinander getragen, zu einer Ökumene der Herzlichkeit findet.

Was ist nun, wenn Katholiken in ökumenischer Verbundenheit am Hl. Abendmahl in der Evang. Kirche teilnehmen?
Laut jüngster Enzyklika erhielten sie nichts der Eucharistie vergleichbares...
Aber: beachten wir die Lebens- und Lehrmaxime Jesu, wie sie uns in den Evangelien berichtet werden!
Er ist immer auf der Seite der Ausgegrenzten gewesen... hat gerade im gemeinsamen Mahl sie ganz bewusst hineingenommen in die Einheit des hl. Volkes (vgl. Lk 19,1-10) und ihnen Heil / Segen zugesprochen. An die Direktiven der Obrigkeit hat er sich Zeit Lebens nicht gehalten.

Es ist anzunehmen, dass der Auferstandene seine Gewohnheiten nicht geändert haben wird.

! Julian Sartorius










Inhalt 2003-2

Die Enzyklica

Tauferinnerungs-
kurs

Bruchrechnen

Reise in
die Tiefe

Fotos Gastchor

Was man liebt,
verbirgt man nicht.

Gedanken zur
Konfirmation

Vom Orgeln...

...und Singen

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